Die Provinziellen

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Was für eine Rackete !

MW • • (Kommentare: 1)

Was für eine Rackete !

Jetzt haben wir wieder eine richtige Heldin. Ja – kein Mann, kein Held, sondern eine Frau, eine wahre Heldin. Sie bietet einer Nation die Stirn, sie setzt sich mit dem Blick auf das internationale Recht gegen nationale Bestimmungen durch. 
Wir empören uns über die radikale Haltung, Flüchtlinge nicht aufnehmen zu wollen. Wir spenden und sammeln für die Heldin, damit sie einen Prozess gegen die Nation durchstehen kann.

Gott sei Dank ist das Alles weit weg!
Internationales Seerecht zur Rettung von Flüchtlingen, die Genfer Flüchtlingskonvention der UNO und das Asylrecht sind Gedanken, die sehr theoretisch und weit weg sind. Meist ist gar nichtbekannt, was dieses Recht und die Erklärungen eigentlich meinen.
Doch apropos Gott! Ich glaube an Gott, ich lege Wert auf meine christliche Prägung und Herkunft und ich halte viel auf die christlichen Werte der 10 Gebote und der Nächstenliebe.

Wenn es dann darum geht, die Heldin bzw das, was sie tut und zur Heldin macht, auf das Innviertel zu übertragen, wird es doch ganz schnell eng. Wieviel flüchtende Menschen sollen denn in meinem Lebensumfeld sein ? Diese Fremden, von denen mehr Bilder und Geschichten aus den Medien bekannt sind, als dass ich selber solchen Menschen begegnet bin, sollen in meiner Nähe sein ? Ich weiß nicht, wie das gehen soll, ich habe mehr Angst als Zutrauen.

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Ein schöner Satz, aber bitte nur in der Kirche, in der Predigt, nicht vor meiner Haustür.

Ich stelle mir vor, das Innviertel bietet der Heldin Carola Rackete an, die Flüchtlinge aufzunehmen. An der österreichischen Regierung vorbei, sich den Positionen der Politik und Regierung entgegen stellen, das wäre vergleichbares Heldentum. Dann können wir uns wirklich mit ihr solidarisieren. Das wäre gelebte christliche Tradition des Abendlandes. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.

Wie weit tragen die öffentlichen Bekenntnisse zur Wahrung der christlichen Tradition ? Bis zur Haustür, bis zum Geldbörsel, bis zum Gartenzaun oder bis dahin, dass unser Wohlstand gefährdet ist – dann hört sich das mit den Anderen auf.

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Kommentar von Jack Matuschek |

"Du bist weiß, reich und deutsch? Ich weiß nicht, aber dann mach doch eine Bootstour auf dem Comer See und besuch George Clooney. Oder mach Freiwilligendienst im Altenheim oder bei Behinderten. Oder geh in die Kirchengemeinde. Aber komm nicht ins Mittelmeer, um uns auf die Eier zu gehen und die Boote der Finanzpolizei gegen die Kaimauern der italienischen Häfen zu drücken." Das sind die Worte des italienischen Innenministers, gerichtet an Carola Rackete, die "nur" Menschenleben rettet.
Und die Worte eines gestürzten Ex-Bundeskanzlers aus Österreich sind inhaltlich die gleichen - nur geschmeidiger formuliert, aber in gleichem Ausmaß menschenverachtend.
"So sind wir nicht - in Österreich"! Oder doch?

Was ist die Summe aus 8 und 8?