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Spielen – können wir das noch ?

MW • • (Kommentare: 0)

 

Spielen – können wir das noch ?

Da werden fremde Menschen beauftragt, mit Kindern möglichst natürlich zu spielen. Das ist doch unser Job! Können wir Erwachsenen das überhaupt noch?

Plötzlich große Aufregung! Da gibt es, scheinbar weit verbreitet, Menschen, die auf Einladung in die Kindergärten kommen und dort mit den Kindern körpernah spielen. Sie sitzen, toben, rollen, raufen auf dem Boden - da bleibt die Berührung nicht aus. Eigentlich ganz normal.
Diese Menschen sind ausgebildet nach der Methode original play, wo laut Fred Donaldson die Erwachsenen von den Kindern lernen, wie spielen eigentlich geht, wenn sie nicht von Spielzeug, Medien und anderem Unterhaltungsprogramm abgelenkt sind.
Damit dieses Spiel sich auch wirklich frei entfalten kann, so erkläre ich mir das, scheint es notwendig, dass die Fachkräfte den Spielraum verlassen, - wahrscheinlich weil sie sonst stören würden. Der erste Ausbildungsschritt ist ein 2-Tageskurs, Basic Training Seminar, nachdem selbstständig mit Kindern gearbeitet werden kann. Weiterführende Trainings können angeschlossen werden.

Wie kommt es, dass 2-Tageskursabsolventen im Kindergarten mit Kindern so körperlich arbeiten dürfen? Das ist ja für alle  Absolventen der Ausbildung zu Kindergartenhelferinnen eine Kränkung; denn die Ausbildung dauert länger und sie dürfen dann viel weniger selbstständig tun.
Wieso verlassen die Fachkräfte den Raum, wenn es zum original play kommt - wollen die nichts lernen, oder sind sie dann nicht mehr in der Verantwortung?

Wenn ich hinter das original play schaue, frage ich mich, was bei uns eigentlich los ist.  Da werden Menschen beauftragt, in Betreuungs-, Förder- und Bildungseinrichtungen für Kinder, mit eben diesen Kindern möglichst natürlich zu spielen.
Wie kommt es, dass Kindergartenhelferinnen und Kindergartenpädagoginnen nicht auch ganz normal am Boden sitzen, toben, raufen, rollen und mit den Kindern in Nähe ganz natürlich arbeiten?
Die Angst vor Berührung scheint sehr groß zu sein. Viele Berührungen werden schon aus lauter Sorge, als missbräuchlich dargestellt werden zu können, unterlassen. Dabei regulieren die Kinder ihren Bedarf nach Nähe und Distanz sehr gut selbst, wenn wir auf sie hören und auf sie eingehen.
Also geht es um das Misstrauen den Erwachsenen gegenüber, die möglicherweise ihre Bedürfnisse nach Nähe und Sexualität über die Kinder abdecken. Doch wenn es um diese Qualität des Misstrauens geht, Fachkräften erst einmal zu misstrauen, wenn sie in Nähe mit den Kindern arbeiten, wird es wirklich problematisch. Denn dann dürfen die Kinder nicht mehr in den Kindergarten geschickt werden. Denn mit Nähe geht immer was.

Wie ist es denn mit Nähe und Berührung der Kinder zu Hause? Diese Frage gilt umso mehr, weil es immer bekannter wird, wie häufig Missbrauch mit Kindern im häuslichen Umfeld stattfindet. Ist da die Vermeidung von Nähe, die Vermeidung von Berührung in der Arbeit mit Kindern die Lösung? Ist die Vermeidung von toben, rollen, raufen und sich wieder vertragen am Boden und auf weichen Matten die angemessene Förderung von Kindern? Nein, denn Kinder brauchen eben das,

Da werden fremde Menschen beauftragt, mit Kindern möglichst natürlich zu spielen. So ein Angebot und so ein Auftrag wird erst möglich, wenn genau das nicht mehr passiert: möglichst natürlich spielen. Das ist doch unser Job! Der Job der Eltern, wir sollen und müssen viel mehr und mit möglichst wenig Hilfsmitteln mit unseren Kindern spielen. Wir müssen mit ihnen, raufen, toben, rollen und sich vertragen. Wie oft tun wir das noch? Und wenn wirklich wir Eltern das nicht tun, müssen es die Fachkräfte tun.

Wie kommt es, dass mit immer weniger Zeit und immer weniger am Boden, drinnen oder draußen, auf der Wiese, im Sand, in der Erde, mit Steinen, Blättern und Holz, im Bach oder der Pfütze gespielt wird. Können wir Erwachsenen das überhaupt noch?

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