Die Provinziellen

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Menschenfreundlichkeit?

von HH • • (Kommentare: 0)

Menschenfreundlichkeit ist gefragt

Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter. Wirtschaftliche Kriterien drängen sich seit längerer Zeit immer mehr in den Vordergrund. Sie bestimmen weithin unser ganzes Leben. Und leider manchmal auch die Wichtigkeiten und Wertigkeiten in unserem Leben. Die Menschen werden wenig gesehen – vor allem nicht ihre Hoffnungen, Sorgen und Unsicherheiten.

In der Debatte über Flüchtlinge, Asylanten, Arbeitszeiten und v.m. bestimmen zu oft allein wirtschaftliche Zahlen, manchmal sogar Kaltherzigkeit oder Ablehnung von Menschengruppen und bestimmten Religionen die Entscheidungen. Wir alle wissen, dass wir heutzutage mehr arbeiten müssen, um unseren sehr hohen Einkommens- und Sozialstandard halten zu können. Aber Entscheidungen für ein menschliches Leben und Zusammenleben dürfen sich nicht allein auf wirtschaftliche Kriterien berufen. Da braucht es die Zuwendung zu allem Menschlichen und die Nächstenliebe – ohne Unterscheide zwischen den Menschen zu machen. Da braucht es die Empathie für sie und alles Leben, auch die Empathie für unsere sehr geschundene Schöpfung und Erde.

Ich plädiere dafür, dass die Menschlichkeit ein zentrales Kriterium im politischen Diskurs ist. Ich plädiere dafür, dass die Menschenfreundlichkeit in allen Entscheidungen nicht untergehen darf. Es soll und muss ein wesentliches Kriterium bleiben, dass wir alle in ihren Verschiedenheiten im Blick haben, und sie auch in diesen Unterschiedlichkeiten leben lassen, solange sie sie nicht außerhalb unserer demokratischen und gesetzlichen Ordnung stellen. Ich plädiere dafür, dass Unterschiede in der Herkunft, der Religion oder in der Bildung nicht zu Kriterien einer negativen Beurteilung werden. Die Fragen, Sorgen und Leiden aller müssen unsere Entscheidungen in der Gesellschaft für ein gutes Miteinander bestimmen – und nicht nur ökonomische Kriterien.

Vor kurzem gab unsere Wirtschaftsministerin einem Radiosender ein Interview und wurde von der Redakteurin zum Thema „Lehre für Flüchtlinge“ befragt und wie sie es dabei mit der „Menschlichkeit“ halte. Sie nahm dieses Wort gar nicht in den Mund und antwortete auf diese Frage nicht. Das war für mich ein wenig symptomatisch. Menschenfreundlichkeit kommt in der Politik der jetzigen Regierung nicht vor. Sie macht es schlechten Vorbildern in der Welt nach und meint, mit „Austria first“ und einer Abschottungspolitik Österreich Gutes zu tun. Das Gegenteil ist leider der Fall! Wer Mauern aufbaut, schafft Hindernisse und mehr Schwierigkeiten – auch für diejenigen, die sich hinter den Mauern sicher wähnen. Da fallen wir auch in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Das eigentliche Problem aber bleibt die fehlende Offenheit und, dass wir nicht mehr genau und persönlich auf Menschenschicksale hinsehen. Vom persönlichen Schicksal der Flüchtlinge wird nie mehr gesprochen. Das scheint völlig egal zu sein. Es muss uns zu denken geben, dass im Mittelmeer in ersten Halbjahr 2018 trotz markant gesunkener Flüchtlingszahlen weit mehr Menschen ertrunken sind, als in den Halbjahren zuvor. Aber menschliche Einzelschicksale kümmern anscheinend politisch Verantwortliche nicht mehr. Stattdessen wird nur mehr von „-wellen“ oder „-massen“ gesprochen, die diese Menschen genau genommen „entmenschlichen“.

Beurteilen wir doch die politischen Entscheidungen auf einer menschenfreundlichen, sozialen und jedem/jeder sein/ihr Auskommen sehenden und sichernden wohlwollenden menschlichen Zuwendung. Suchen wir das Gemeinsame und Verbindende und stellen wir nicht das Trennende und Fehlerhafte in den Mittelpunkt. In unserer reichen Gesellschaft soll und kann doch jede/jeder leben können – gut, im Miteinander und nicht im Gegeneinander. Die Einsamkeit älterer Menschen, die Finanzierung unseres sehr guten Sozial- und Krankensystems wie die Sicherung der Pensionen mögen in der Agenda der zu lösenden Themen und Probleme ganz oben stehen! Gespräche und Diskussionen dazu finde ich ganz wichtig! Wir müssen uns heutzutage dem Trend zur Anonymisierung, zur Vereinzelung, zur Verweigerung des Gesprächs und dem Hinnehmen ökonomischer Kriterien zur Beurteilung von menschlich schwierigen Situationen entgegen stellen. Die Menschenfreundlichkeit ist wieder gefragt, vermehrt denn je. Die Gemeinschaft im Umfeld unseres Lebens. Die Nachbarschaft. Das Gespräch im Dorf und unter den Arbeitskolleg*innen. Das bereichert uns wirklich, das ändert menschlich schwierige Verhältnisse. Das alles ändert auch den Blick auf die Flüchtlinge und macht ihn realistischer. Wir sind doch als Menschen auf der Welt, die ein menschliches Antlitz zeigen sollen!

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