Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Menschen mit Beeinträchtigungen

JM • • (Kommentare: 0)

 

Viele Behindertenorganisationen wurden deshalb gegründet, damit Menschen mit Beeinträchtigungen ein sinnvolles Erleben auch außerhalb des Elternhauses erfahren (Arbeit, Freizeit, Integration, Inklusion) - dazu sind sie auch in vielen Einrichtungen (Werkstätten, Wohneinrichtungen) tätig. Und dass damit die Eltern / Angehörigen selbst eine Entlastung in der Betreuung und Pflege ihres behinderten Kindes erfahren.

Seit bereits 7 Wochen sind viele Behinderten-Werkstätten geschlossen (ein Ende der Schließungen ist noch gar nicht abzusehen) und die Menschen mit Beeinträchtigungen sind zum Groß-Teil bei ihren Angehörigen zuhause, wenn sie nicht in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderten wohnen können (von denen es auch viel zu wenige gibt).

Viele Angestellte in den Supermärkten oder in den verschiedenen Pflegeberufen oder Ärzte wurden (zurecht) als „HeldInnen“ dargestellt Die Angehörigen von Menschen mit Beeinträchtigungen, die jetzt und schon sehr lange 24 Stunden und 7 Tage die Woche die Betreuung und Pflege zuhause übernehmen (müssen), wurden hier bisher aber völlig vergessen! Das ist mit Pflegegeld alleine nicht abzudecken.

Die Lage ist bei einigen Familien tatsächlich schon sehr angespannt. Menschen mit Beeinträchtigungen laufen auch wieder Gefahr der Resignation, Apathie, Depression, Aggression. Viel in ihrer positiven Persönlichkeitsentwicklung erlebt einen Rückschritt.

Überall tagen Krisenstäbe, werden Bewertungen getroffen und Maßnahmen angedacht und getroffen, um Österreich wieder „hochzufahren“ (übrigens ein furchtbares Wort: man fährt vielleicht Hochöfen wieder hoch, aber doch keine Menschen).

Geschäfte, Frisöre, die Gastronomie, sogar die Schulen öffnen wieder, es gibt wieder Sport, Hochzeiten und Begräbnisse usw.

Und was ist mit den Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen?
Unabhängig von all diesen Lockerungen bleiben Einrichtungen weiterhin geschlossen!
Ein risikofreier Werkstättenbetrieb mit ausreichenden Sicherheitsabständen sei nicht organisierbar. Ich meine, dass dieser Werkstätten-Betrieb genauso wenig oder viel möglich sein kann wie in den Regelkindergärten, Schulen, wie beim Frisör, wie in manch anderen Betrieben, wie in der Kirche, wie in der Gastronomie (mit Sicherheitsabständen und entsprechenden Hygienemaßnahmen). Wie wär`s mit Zutrauen und Vertrauen?

Außerdem sind Besuchsverbote und Ausgangsbeschränkungen in den Wohnhäusern  für Menschen mit Beeinträchtigungen ein unzulässiger Freiheitsentzug ist, der nicht hingenommen werden kann. Das ist eine weitere Diskriminierung!

Wir müssen uns gemeinsam gesondert vom tages- und wochenaktuellen Geschehen auch mittel- und langfristig Gedanken machen. Und es braucht ein Zusammenarbeiten auf Augenhöhe mit allen Betroffenen.

Welches Licht ist wann am Ende des Tunnels zu erhoffen? Auch noch ohne Impfstoff, ohne Medikamente?
Wie lange können Beschäftigte und Angehörige dies zuhause noch übermäßig länger schultern?  Viele sind am Limit und haben keine Kraft mehr!

Übrigens: in Tirol unterziehen sich bereits Menschen mit Beeinträchtigungen (auch zuhause) und MitarbeiterInnen Coronavirus-Testungen (freiwillig – und die Bereitschaft dazu ist unendlich hoch), um besser feststellen zu können, wie bald tatsächlich wieder Einrichtungen öffnen und somit Angehörige wieder entlastet werden können.

Und in Oberösterreich?

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