Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

www.notizenausderprovinz.at

Ich kann es mir gar nicht vorstellen

MW • • (Kommentare: 0)

 

Jetzt hat das EU-Parlament den Klimanotstand für die EU erklärt.
Ich kann mir das gar nicht vorstellen.

Ich schaue aus dem Fenster auf eine wunderschöne hügelige Herbstlandschaft. Draußen höre ich meine Enkeltochter, wie sie sich am Leben freut und sich aufgeregt mit dem fliegenden bunten Blättern, den Hühnern und Hunden beschäftigt. Sie möchte gerne Drachen steigen lassen.

Wenn ich genau hinhöre, höre ich das Plätschern unseres Brunnens, der bisher auch in trockenen Zeiten immer genug Wasser hatte.

Im Herbst beginnen die vertrauten Geräusche von Motorsäge, fallenden Bäumen und dieser Geruch von Benzin, Öl und zu heißem Holz, das mit zu stumpfen Sägen geschnitten wird. Die Holzlager füllen sich langsam mit Brennholz.

Manchmal riecht es schon nach Schnee - der Winter kommt: Rodeln, Ski fahren, Skitouren, Schnee räumen, durch den Schnee stapfen, rote Nasen und kalte Finger.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das anders werden soll. Es soll wärmer werden - heißt das dann, dass wir keinen Schnee mehr haben werden ?

Im Wald werden wie immer Bäume gefällt. Der Wald wirkt nicht kahler - wo sind die Festmeter von Bäumen mit Käferbefall, wenn es doch schon wärmer geworden ist?

Die Sommer wurden wärmer, doch ein schöner Sommer ist wunderbar. Wasserknappheit, Dürre und schlechte Ernten merke ich beim Einkauf nicht, es gibt immer Alles. Nur teurer wird es von Jahr zu Jahr ein wenig, doch daran haben haben wir uns doch schon längst gewöhnt. Ein großes Angebot und Preissteigerung sind ein Zeichen unseres Wohlstandes.

Die Vielfalt der Tiere nimmt ab, großes Bienensterben und es kommen immer mehr kleine gefährliche Tiere aus dem Süden zu uns. Ich dachte die Artenvielfalt nimmt ab - nimmt sie jetzt ab oder zu ? Bei denen Bienen geht es doch um die Wildbienen - die sind mir noch nie aufgefallen. Artensterben ? Na ja, Vögel habe ich schon mehr und mehr verschiedene bei uns gesehen. Ist das dann das Artensterben, oder haben sich nicht nur die Lebensbedingungen bei uns zu Hause geändert ?

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das anders werden soll.

Und dann noch die CO2 Steuer, und das am Land. Ohne Auto sind wir aufgeschmissen und dann wird das Autofahren immer teurer: erst die Vignette, dann die immer teureren Autos, steigende Spritpreise, E-Autos und jetzt diese Diskussion. Sollen sie doch erst einmal da eingreifen, wo es wirklich Abgase ohne Ende gibt, und nicht immer bei uns am Land. Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr ? Da lachen doch bei uns die Hühner.

 

Scheinbar reagieren wir Menschen erst dann, wenn es uns direkt und persönlich betrifft. Wir müssen den zerstörten Wald, den Wassermangel, die Dürre, die Ernteeinbrüche, das Verschwinden von Pflanzen, Vögeln, Insekten und anderen Tieren mit eigenen Augen sehen, mit den Händen begreifen und mit unseren Sinnen wahrnehmen, bevor wir verstehen – obwohl das, was ich mir gar nicht vorstellen kann, schon längst bei uns ist.

Wasser wird auch bei uns in Oberösterreich zum Dreh- und Angelpunkt unserer Probleme. Der Wasserbedarf steigt und den steigenden Temperaturen folgen in den letzten Jahren abnehmende Sommerniederschläge,  Verschlechterung der Wasserspeicherkapazität von Böden, Zunahme der Wassertemperaturen und der Hochwassergefahr.
Das führt zu geringerer Humusbildung, Abnahme der Bodenstabilität, Beeinträchtigung der Bodenfruchtbarkeit und Bodenfunktionen, Veränderung des Abflussregimes von Fließgewässern, Austrocknung und Verkrustung von Böden.
Ganze Ökosysteme sind gefährdet - alpine Lebensräume und Moore werden kleiner, entsprechende Pflanzen reduzieren sich stark und Moorgebiet trocknen aus -, heimische Schädlinge nehmen zu, neue Schädlinge wandern ein und ihr Lebensraum breitet sich aus, heimische Fische sterben bei Niedrigwasser und zu hohen Wassertemperaturen, Insektenvielfalt nimmt ab und neue gefährdende Insekten finden ihren Weg bis nach Oberösterreich.

Der Anstieg der Schneefallgrenze und der Rückgang der Gletscher hat Folgen, die noch nicht abschätzbar sind, sich aber massiv auf Tourismus, Wasserwirtschaft und die Lebensräume der Wintersportgebiete in (Ober)Österreich auswirken.

Die christlichen Parteien im EU Parlament finden den Beschluß des Klimanotstandes zu arlamistisch, manche bemühen gar die Notstandsgesetze der Weimarer Republik. Und wenn dann eine Parteiführung von Weltuntergangssekten spricht ist das Alles doch nur ein Weltuntergangsszenario, das zwar schon geschieht, aber nicht stimmt.

Wir freuen uns auch über Beiträge auf twitter oder Instagram.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 4?