Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Europa

MW • • (Kommentare: 0)

Europa, die so schön war, dass ihr Vater sehr gut auf sie Acht gab, dass ihr kein Schaden zustoße. Sie  war so schön, dass selbst die Götter sie begehrten. Dafür nahm Zeus die Gestalt eines weißen Stieres an, um Europa zu beeindrucken, die, neben der Aufmerksamkeit ihres Vaters, selbst auch sehr vorsichtig war. Es gelang: Zeus eroberte sich Europa, die er sich schon so lange an seiner Seite wünschte, zeugte mit ihr Kinder und konnte sie doch nicht an sich binden. Europa starb auf der Flucht aus dem goldenen Käfig. Da den Göttern diese Landstriche so gut gefielen, und da gab es noch keine Nationen wie heute, da sie diese Landstriche so ausgesprochen schön fanden, gaben sie diesem Land die gemeinsame Bezeichnung Europa. So weit die überlieferte Geschichte.
 
Europa die Schöne. So viel schönes Land, vom kühlen Norden bis zum sonnigen Süden, so vielfältige Natur von dickem Eis, den hohen Bergketten, dem flachen weiten Land, zu den sonnigen Stränden.
Europa die Vielfältige. Hier ist Alles zu erleben. Tiefer Winter, heißer Sommer, praller Frühling und bunter Herbst. Sanft und getragen, wild und zerklüftet, trocken oder naß, ruhig und gediegen und immer wieder andere Tiere und Pflanzen unterschiedlichen Regionen.
Europa die Reichhaltige. Es leben so viele verschiedene Menschen mit so unterschiedlichen Fähigkeiten und so vielfältigen Kulturen, in Europa. So reichhaltig im Denken und Tun, im Erfinden von Neuem und im Erschaffen von Kultur.
 
Europa hat bisher nur der Mensch geschadet. Der größte Schaden ist durch die Gier nach Geld, durch das Streben nach Macht und durch die Frage, wer schafft hier wem an, entstanden. Auf den eigenen kleinen oder großen Vorteil schauen, ist wieder modern geworden. Geiz ist geil, Leistung muss sich lohnen, jeder ist seines Glückes Schmied, wer will der kann, die sind ja selbst Schuld, ...
In den Geistes- und Naturwissenschaften ist längst klar, dass es nur gemeinsam und zusammen geht. „Austria first“ ist ein Denken und Handeln, das in einer Sackgasse endet.
 
Noch einmal zurück zu der schönen Europa. Zeus hat sich um das leibliche Wohl von Europa gesorgt. Sie wollte fliehen, obwohl es ihr an nichts zu fehlen schien, um sich wieder ganz wohl zu fühlen. Sich nur um die Hand oder das Knie oder um die Haare, oder ums Essen zu sorgen, reicht nicht aus, um Europa das Gefühl von Halt Geborgenheit und Sicherheit zu geben.
In der Politik und bei vielen Menschen ist das offensichtlich noch nicht angekommen, dass Europa so schön ist und in ihrer Schönheit, ihrer Vielfalt und ihrem kulturellen Reichtum geschützt und behütet werden muss, und nicht nur ihre rechte Hand.

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