Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Die Abende sind kühler geworden

von AM • • (Kommentare: 0)

Der Sommer liegt in seinen letzten Zügen. Ein langer Sommer war es, ein warmer, ein guter. Die Sonne steht bereits merkbar tiefer, Grillen zirpen auf meinem Weg durch die Felder.

Wie immer wenn der Sommer zu Ende geht beschleicht mich eine Wehmut und das Herz wird mir schwer und ich frage mich, während mir die letzten milden Sonnenstrahlen über die Haut streichen, wie viele solch unbeschwerte Sommer ich wohl noch erleben werde. Mag sein dass es am fortschreitenden Alter liegt, vielleicht ist es aber auch eine düstere Vorahnung die mich beschleicht oder eine verborgene Rückerinnerung, die sich aus dem Unbewussten bedrohlich langsam aber beständig ihren Weg bahnt.

So wie die Wolken am Himmel vorüberziehen, ziehen auch Erinnerungen an diesen Sommer in mir vorbei. Schöne Momente voll Wärme und Leichtigkeit, voll Kinderlachen und Lebensfreude. Dann schiebt sich langsam eine dunkle Wolke vor die Sonne und es frischt merkbar auf. Verschwommene Bilder holen mich ein. Public Viewing ertrinkender Menschen, grölende Massen mit wehenden Fahnen auf den großen Plätzen der Städte und in den Hinterhöfen der Provinz.

In mir reift der Gedanke, dass mit dem herannahenden Herbst nicht nur das Jahr seinen Zenit überschritten hat, auch die vielgerühmte zivilisierte westliche Welt hat wohl, so als gäbe es einen immerwährenden Zyklus, ihre Glanzzeit wieder einmal hinter sich gebracht. So wie die Blätter fast unmerklich und dennoch unaufhaltsam welken und irgendwann zu Boden schweben, verlieren in diesen Tagen auch Werte und Moral immer mehr an Bedeutung und Kraft. So wie die Tage immer kürzer werden, schwinden auch Hemmschwelle und Schamgefühl und es werden Dinge gesagt, besungen und getwittert, für die man sich noch vor Kurzem beim nur daran denken geschämt hätte.

Die Abende sind kühler geworden und manchmal zieht von unten am Bach ein eisiger Hauch herauf, der die Kinder an die Erwachsenen schmiegen lässt, den bangen Blick in die Dämmerung gerichtet. Der Winter wird kommen, so viel steht fest, und er droht lang und dunkel zu werden.

Sieh zu, dass das Feuer nicht erlischt, mein guter Freund. Halte die Augen offen. Nicht müde werden, wach bleiben.

Wach bleiben.

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