Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Darf man das noch fragen?

MW • • (Kommentare: 0)

 

Wir werden seit Wochen mit News, Fakten und Zahlen überschwemmt. Erst war es alles weit weg und jetzt ist es vor unserer Haustüre. Ich versuche, zu verstehen und die Informationen zu einem Bild zusammenzusetzen und komme nicht weiter. Wir werden informiert, ohne so informiert zu werden, dass wir alle verstehen.

Wir schließen alle Bildungseinrichtungen, wir sperren den Kulturbetrieb, der Einzelhandel wird, mit einigen  Ausnahmen, geschlossen, die Wirtschaft wird stark reduziert und die Zivilgesellschaft wird eingeschränkt. Das Alles tun wir, um unser Gesundheitssystem und die alten Menschen zu retten.
Nicht alle Unternehmen werden diese Krise überleben, das ist wie ein reinigender Prozess. In diesem Sinne argumentieren einige Experten. Diese Krise mit ihren Maßnahmen schadet den heimischen kleinen und mittleren Unternehmen – es profitieren zB die großen online-Versandhäuser, die bei uns keine oder kaum Steuern zahlen. Das Alles tun wir, um unser Gesundheitssystem und die alten Menschen zu retten.
Der Staat pumpt Milliarden in die Wirtschaft und in akute soziale Unterstützungen, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, ein großer Konzern sperrt sofort Produktionsstandorte. Das Alles tun wir, um unser Gesundheitssystem und die alten Menschen zu retten.
Wir eröffnen neuen Nationalismus, jeder Staat schließt seine Grenzen, jede Gesellschaft schützt sich selbst. Wir helfen zusammen und grenzen uns ab, damit müssen wir allein zurechtkommen. Auch das tun wir nur, um unser Gesundheitssystem und die alten Menschen zu retten.

Wenn das die neue Gesundheitsdoktrin ist, die Belastung und die Kosten für das Gesundheitssystem so zu regulieren, dass es nicht zusammen bricht, bin ich gespannt, wie es denn mit anderen Themen, die das Gesundheitssystem mit direkten und indirekten Kosten- und so auch unsere Volkswirtschaft belasten, weiter geht.
Wie gehen wir dann mit Menschen um, die mit ihrer Krankheit einen Lebensstil leben, der die Krankheit fortschreibt. Ich denke zB an Adipositas, Diabetes, Rauchen und andere Suchterkrankungen.
Wie gehen wir dann mit Frauen und Kindern um, die körperliche und psychische Gewalt erfahren? Die Gewalterfahrungen, das Unfassbare zu erleben, wirkten sich bis in Folgegenerationen psychisch und auch körperlich aus.
Und wenn wir doch anfangen, nicht mehr nur national , also nicht mehr nur für Österreich zu denken, wenn wir anfangen, menschlich für die Menschen zu denken, wie gehen wir dann mit all denen, um die über Mangelernährung, über mangelnde Hygiene, über Kriege ua gesundheitlichen Schaden nehmen?
Wie wir mit den existentiellen Bedrohungen über den Klimawandel umgehen, ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Wenn wir das Alles tun und auch schon über weitere Überwachungsmöglichkeiten zB übers Handy (big data) nachgedacht wird, dann muss es unglaublich gefährlich sein, oder es gibt sehr viel Angst.
Was wird in Zukunft alles kontrolliert und überwacht werden, nur um der Gesundheit und der Angst zu dienen?

Was ist denn so gefährlich ?

Der Coronavirus kann eine Lungenerkrankung auslösen, die dazu führt, dass das Atmen schwer oder unmöglich wird. Das ist gefährlich. Da fallen mir viele andere Erkrankungen auch noch ein, die mindestens ebenso gefährlich sind.
Es sterben mehr Menschen an der Erkrankung durch den Coronavirus, als an der Grippe.

Da wird die Gefährlichkeit mit Infizierten- und Todesfallzahlen untermauert, ohne dass diese Zahlen in Relation gesetzt werden. Ich kann mich in nur an sehr wenige Beispiele erinnern, an denen die Öffentlichkeit über die Erkrankungs- und Todesfallzahlen so informiert wurden: Aids und Ebola.
Doch wurde die Öffentlichkeit schon einmal so detailliert, wie jetzt, über die Zahl der Infektionen und Sterbefälle durch die aktuelle Influenza-Welle informiert? Immerhin sterben jedes Jahr zwischen 1.000 und 2.000 Menschen an der Grippe (im Jahre 2010 gab es eine veränderte Berechnung, die in Österreich von bis zu 6.000 Toten im Jahr ausging).
Oder wird so detailliert über die Todesfälle, die durch die Krankenhauskeime verursacht werden berichtet?

Und jetzt (28.3.2020 um 15.00Uhr) liegen wir bei 7.995 Infizierten, 42.750 Getesteten und 68 Todesfällen.
Wer wird bei uns und wer wird in welchem Land auf den Coronavirus getestet? Werden Verstorbene auch getestet? Wird die Todesursache erhoben, oder reicht schon der Virusnachweis als letzte Erkrankung, um als Coronatoter zu gelten? Gelten überall die gleichen Kriterien, wann wie getestet wird, und wie Testergebnisse zugeordnet und bewertet werden? Es scheint  mir nicht so – wenn die Kriterien nicht gleich sind, unterscheiden sich schon die Zahlen von Bericht zu Bericht und von Land zu Land, ohne dass wir das nachvollziehen können.

Wie ist das mit dem Verhältnis zwischen Todesfällen und Infizierten? Wissen wir, wer Alles infiziert ist?
Nein! Es gibt nur Vermutungen zu den Dunkelziffern. Es kann sein, dass ich schon infiziert bin und die Krankheit durchgestanden habe, ohne es zu merken. Ich hatte dann das Glück, zu denen zu gehören, die einen milden Verlauf hatten. Das sind immerhin 60%-80%. In dieser Zeit wurde und habe ich infiziert, ohne es zu wollen und zu merken.

Es ist so ein lange Inkubationszeit, sagen sie. Wie lange ist sie denn? Ab wann infiziere ich? Auch hier gibt es Annahmen, aber kein Wissen. Welche Faktoren begünstigen eine Infektion? Welche Faktoren beeinflussen den Verlauf der Infektion? Welche Medikamente haben welche Wechselwirkungen mit dem Virus? Welche Medikamente haben Einfluss auf den Verlauf?

Das Immunsystem – die Entscheidung über Krankheit und Gesundheit. Ein geschwächtes Immunsystem scheint ein wesentlicher Faktor für den Verlauf der Corona-Infektion zu sein.
Was tun wir für die Stärkung des Immunstem? Ein Teil der Maßnahmen schwächt es auf jeden Fall: Reduzierung des sozialen Kontaktes, Fokussierung auf soziale Kleingruppen, mangelndes kulturelles Leben, so wenig Körperkontakt wie möglich in Pflege und Betreuung, Beschränkungen der Bewegung.
Welche Maßnahmen werden als Ausgleich unternommen?

Dann auch noch die Diskussion über Herdeimmunität; darüber, dass sich 60%-70% der Gesellschaft infizieren müssen. Können oder sollen wir einer Infektion mit dem Coronavirus überhaupt entgehen?
Wann der Höhepunkt der Zunahme der Infektionen überschritten? Gilt das für jetzt, oder gibt es dann eine zweite und dritte Welle? Denn zb 65% der österreichischen Gesellschaft sind 5,3 Millionen.

Meine Fragen nehmen zu statt ab, je mehr Informationen ich höre oder lese und je länger ich nachdenke. Die Antworten nehmen nicht zu, im Verhältnis zu den Fragen nehmen die Antworten ab.
Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass wir doch so gut wie nichts wissen, sondern vermuten. Das sagen allerdings die Wenigstens, dass wir kaum etwas über den Virus und die Erkrankung wissen. Dieses Wissen beginnt erst, wenn es vorbei ist. Nicht-Wissen macht Angst – je weniger wir wissen, umso größer wird die Unsicherheit und die Angst.
Oder ist es so, dass die Experten vielmehr wissen, als sie sagen?
Wir sind bereit alle Einschränkungen in Kauf zu nehmen, manchmal sogar noch stärkere Maßnahmen zu fordern, damit die Angst weniger wird.
Die Angst beginnt weniger zu werden, wenn mein Gegenüber sagt, dass er nichts weiß, ohne drum herum zu reden. Dann stimmt dass, was ich höre, mit dem, was ich wahrnehme überein – dann werden SIE authentisch wahrgenommen. So beginnt Berechenbarkeit, Sicherheit und Vertrauen.
Wenn Sie dann auch noch nicht mehr weglaufen, sondern sich den Diskussionen stellen, sichtbar und greifbar werden, könnte die Angst weniger werden.

 

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