Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Coronablüten

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Corona sieht aus, wie ein Ball mit vielen kleinen Blüten, wie eine Seeanemone. Ich frage mich, welche Übersetzungsmöglichkeit bei denen, die diesen Virus benannt haben, gemeint war: Kranz, Kreis (von Teilnehmenden),  Königs- Kaiser oder Märtyrerkrone, Diadem, Mauerring, Kranzgesims, Gebirgskette, Tonsur, Lichthof oder Strahlenkranz. Egal – es geht immer um viele Ansichten, Spitzen oder Bausteine.
So auch jetzt – während der Alltag politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bestimmt wird, werden immer mehr Blüten sichtbar, die vom Mainstream nicht erfasst oder bedacht werden.

  • Da gibt es eine Task Force der Bundesregierung
    Was ist eine Task Force ? Das ist eine für eine begrenzte Zeit gebildete Arbeitsgruppe [mit umfassenden Entscheidungskompetenzen].
    Unsere Regierung hat Erfahrungen mit einer Task Force, eine Task Force für den „Dialog der Kulturen“. Sie verfügt über ein internationales Netzwerk von Kontakten und dient bei Bedarf als Schnittstelle zu österreichischen staatlichen Institutionen, Religionsgemeinschaften, NGOs, Institutionen und VertreterInnen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Medien und Wirtschaft.
    Diese Erfahrungen werden nicht genutzt, jetzt ist Alles anders.
    Die Task Force für Corona besteht aus MitarbeiterInnen des Gesundheitsministeriums und einem Beratungsstab – alle haben vorwiegend eine medizinische oder juristische Ausbildung. Alle Maßnahmen der Bundesregierung wirken sich, neben den massiven wirtschaftlichen Folgen, vor Allem auf das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft, auf die individuelle psychische, seelische und körperliche Gesundheit aus. Sie verstärken die sozialen Unterschiede und Benachteiligungen, führen zu einer Eskalation sozialer Differenzen und Spannungen wie auch zu höherer Labilität und Krisenanfälligkeit. Doch die Regierung hat keine Fachleute aus den Gesellschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften aus den Wirtschaftswissenschaften, aus der Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit und auch keine Vertreter von Betroffenen in die Task Force berufen. Wieso nicht?

  • Kritische Diskussion ist nicht gewünscht
    Die meisten Menschen verstehen die Maßnahmen, wird öffentlich verlautbart, sie fürchten sich vor dem, was passieren kann, und fragen nicht nach. Was ist los, wenn eine kritische Diskussion über die Corona-Maßnahmen und deren Folgen erst nach Wochen langsam beginnt ?
    Was ist los, wenn in den sozialen Medien nur noch bestimmte Meinungen zugelassen werden ? So löscht Facebook seit einigen Tagen kritische Beiträge zu den Corona-Maßnahmen. Der Filter ist einfach zu stark eingestellt, sodass auch diese Beiträge gelöscht werden, teilt Facebook mit.
    Facebook beschließt selbst, welche Kriterien für eine Regulierung der Äußerungen auf ihren Plattformen angelegt werden. Das ist die Freiheit der Meinungsäußerung in den sozialen Medien – andere schwierige Beiträge bleiben länger.

  • Eine schwer herzkranke Frau muss regelmäßig in die Universitätsklinik in Deutschland zur Kontrolle. Auf der Hinreise wird nichts gesagt, auf der Rückreise wir ihr von Polizei und Bundesheer 14 Tage Quarantäne verordnet.

  • Die Polizei entscheidet selbst, was denn jetzt wie verboten ist und gestraft werden muss:
    Eine Frau fährt zu Ostern zu ihrer Mutter, um ihr ein Ostergeschenk vor die Tür zu stellen. Sie wird angehalten und mit ihrem Ansinnen mit einer hohen Geldstrafe gestraft – das sei verboten.
    Eine Kundin an der Tankstelle wird beim Bezahlen von der anwesenden Polizei, kritisch gefragt, was sie denn hier mache.
    Gibt es ein Bewegungs- und Besuchsverbot ?
    Die Polizei soll, wie eine Flex, bei dem Finden von Infizierten helfen.
    Nicht alles, was gut gemeint ist, tut auch gut!

  • Jeder Staat schließt seine Grenzen, schickt Menschen ungetestet in Quarantäne. Doch es geschieht in jedem Staat das Gleiche. Wie machen da Grenzschließungen Sinn?

  • Wir helfen zusammen! – Wirklich ? Das Engagement bleibt an den nationalen Grenzen stehen.
    Es ist, wenn überhaupt nur in Ausnahmen möglich gewesen, dass zB Patienten in Europa grenzübergreifend behandelt werden, wenn die eigenen Krankenhäuser voll waren. Es geht wohl nicht um Menschlichkeit, sondern um Nationalismus. Wir helfen zusammen, aber bitte nur auf Distanz.

  • Wir sollen keine Angst haben und werden täglich mit Infektions- und Todeszahlen versorgt. Diese Zahlen sind absolut betrachtet groß; die schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle bedeuten in jedem Einzelfall Leid.
    Doch in Relation zur Gesamtbevölkerung sind die Zahlen verschwindend gering. Weltweit sind 531.804*) Menschen als infiziert registriert und 174.336*) gestorben. Das sind weltweit 0,032%**) Infizierte und 0,002%**) Tote, bei denen der Corona Virus festgestellt wurde.
    Im Jahr 2014 sind 805 Millionen Menschen weltweit verhungert (=9%), mindestens 1,6 Millionen Menschen sterben jedes Jahr durch Kriege.
    In Österreich sind 14.810 1) positiv getestet (= 0,168% der Gesamtbevölkerung) und 4912) Gestorbene mit Corona (= 0,0055%) der Gesamtbevölkerung).
    Über eine Millionen Frauen in Österreich erleben jedes Jahr sexuelle Gewalt.
    2.700 Kinder und Jugendliche erleben jedes Jahr schwere körperliche Strafen. Jedes zweite Kind erlebt Demütigungen, Vernachlässigung und Liebesentzug zeitweise bis regelmäßig.
    Werden wir ab jetzt über Gewalt gegen Kinder und Frauen ebenso detailliert wie über Corona informiert werden ? Die Folgen der Gewalterfahrungen sind nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die nachfolgende Generation eine zT sehr schwere Belastung.
    Wird jetzt ebenso entschieden gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder vorgegangen wie bei Corona?
    *) (Johns Hopkins University, 21.04.2020 20:27h), **)bei 7,9 Milliarden Weltbevölkerung
    1) (Sozial-Gesundheitsministerium 21.04.2020 15h), 2) (Sozial-Gesundheitsministerium 21.04.2020 9:30h)

  • Hofer, Lidl, Spar, Metro, ua Konzerne stellen nach einem Monat, wo der Einzelhandel schon längst schließen musste, als Solidaritätsakt ihren non-food-Verkauf ein, nachdem sie erst einmal einen Monat Geschäft gemacht haben – welch ein Zynismus! Besonders dann, wenn dann kurz Nachher die Läden allmählich wieder geöffnet werden.
    Die großen online-Händler profitieren von der Krise und zahlen da, wo der Umsatz gemacht wird, bei uns, beinahe keine Steuern – sie verdienen an der Krise, ohne sich an der Bewältigung zu beteiligen – wir helfen zusammen, aber ohne uns.

  • Wer zahlt die Milliarden?
    Die Milliarden, die jetzt zur Verfügung gestellt werden, um die Folgen der Krise wirtschaftlich abzufedern, sind schnell und unkompliziert da. Bei anderen Themen, bei denen wir auch nicht wirklich wissen, wie es wird und was geschieht, wo die Bedrohung für die Menschen wesentlich größer ist, als durch Corona, ist es seit Jahren ein Gezerre. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die hungernden Menschen nicht bei uns verenden und die Flüchtenden nicht bei uns in den Seen ertrinken.
    Doch wer zahlt die vielen Milliarden? Wir, die die arbeiten und Steuern zahlen. Der Bundesfinanzminister hat schon ganz zu Beginn deutlich gemacht, wie das sein wird, wenn die Krise vorbei ist: Es muss wieder richtig gespart werden.
    Wo und wie wurde in den letzten Jahren richtig gespart?

  • Und dann noch die Frage, wenn jetzt die Maßnahmen gelockert werden:
    Wie sieht es mit der Immunität der Gesellschaft aus? Ist das noch ein Ziel? Wie soll das Gehen? Beschränkungen über Jahre?
    Sterben jetzt weniger an der Erkrankung durch das Corona Virus, wenn die Maßnahmen gelockert werden?
    Werden wieder alle Räder angehalten, wenn die Infektionszahlen steigen?
    Soll es jetzt bis zu einem Impfstoff Reisebeschränkungen, angeordnete Quarantäne, keine Gruppen über 5 Personen und ein dauerhafter Abstand von 1,5 bis 2 Meter geben ?
    Und das Alles, obwohl wir so Vieles bei der Corona-Erkrankung nicht wissen?

  • Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren sollen sich nicht oder nur distanziert bewegen. Für ein Rudeltier, und der Mensch ist ein Rudeltier, ist soziale Distanzierung die größte Strafe und existentielle Bedrohung. So kann der Ausschluss aus dem Rudel den Tod bedeuten.
    Der Mensch braucht Bewegung, Kontakt, Ansprache und Berührung. Wenn er das nicht erlebt, wirkt sich das auf seine psychische Widerstandsfähigkeit, auf sein Immunsystem und auf seine körperliche Gesundheit aus. Außer Aushalten habe ich bisher nichts gehört, wie damit umgegangen werden soll.

  • Der ehemalige Justizminister mahnt sehr deutlich, dass die Corona-Maßnahmen dem Verfassungsrecht entsprechen müssen. Denn die Corona-Maßnahmen beschneiden in der Verfassung garantierte Der Haltung, dass man auf das Verfassungsgericht warten muss, und dann eh schon wieder Alles vorbei ist, wiederspricht er deutlich.
    Die Verhaltensregelungen, die von so vielen Menschen alltäglich befolgt werden sollen, müssen unmissverständlich klar sein. Denn „wenn einmal die Juristen und Juristinnen beginnen, über die Interpretation zu streiten, dann ist ein Alarm angesagt“. Und wenn die Polizei anfängt, wie beschrieben, zu handeln, wird die Tür zur Willkür leicht geöffnet.
    So gibt es eine klare Zuständigkeit für Verfassungsrecht in der Bundesregierung: die Ministerin für Europa- und Verfassung. Die schiebt ihre Verantwortung in das Ressort des Gesundheitsministers, doch ein Verfassungsjurist ist nicht in der Task Force. Ist das Verfassungsrecht und deren Prüfung so leicht abzuwälzen und auszuhebeln?

  • Wir sollen keine Angst haben und hören zum Einstieg vom Bundeskanzler, dass Jeder bald einen Corona-Toten kennen wird, und die Wirtschaftsexperten berichten von ihren Annahmen und Berechnungen, dass es die größte Rezession geben wird, die die Welt erlebt hat.

„The only thing we have to fear is fear itself“, sagte Franklin D. Roosevelt. Das einzige, wofür wir Angst haben müssen, ist die Angst. In diesem Sinne formuliert Heinz Bude es als die vornehmste Aufgabe der Politik, den Menschen die Angst zu nehmen.

Geht Angst nehmen nicht anders?

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