Die Provinziellen

Notizen aus der Provinz

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Corona und die viele Freizeit

JM • • (Kommentare: 0)

 

Plötzlich habe ich so viel freie Zeit, unfreiwillig freie Zeit, noch mehr Zeit. Super! Was man da alles schaffen kann! Küche putzen, Auto putzen, lustige Videos drehen, endlich den Keller ausmisten oder mindestens das Badkastl, Wäsche aussortieren, Staubsaugen sowieso, einmal die wichtigsten Dokumente ordnen, Livestreams starten, den Körper trainieren, einen neuen Beitrag für die Notizen…schreiben, oder lustige Videos für unsere Enkelkinder machen.
Und was mache ich? Es gibt Phasen, da mache ich rein gar nichts davon. Dann kann ich einfach nicht. Dann macht mich die Situation traurig und lethargisch. Dann kenn ich mich überhaupt nicht mehr aus. Manchmal und immer wieder (wenn auch seltener) kommt ein Gefühl von Angst auf (wie wird das werden mit unserem Überleben und Zusammenleben).

Jetzt schreib ich ein paar Zeilen an die Provinziellen, das schaff ich – und bin schon wieder zufriedener, und irgendwie zuversichtlicher.

Und dann auf einmal so viele Virologen und Experten. Wo kommen die plötzlich alle her? Und alle sind so gut und noch besser. Sie erklären uns, was das Virus mit uns macht, was wir tun können und was wir schon längst tun hätten müssen. Sie erklären uns die Welt. Wo waren die alle bisher?
Und natürlich die vielen verantwortlichen und unverantwortlichen Politiker (welche, die selbst noch Corona-Partys feiern und welche, die uns wörtlich sagen: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“ Es klingt ja fast so, als ob wir darauf warten würden. Also ich kenne noch keinen, der an Corona gestorben ist. Wie denn auch – wenn ich eh fast ausnahmslos zuhause bleiben muss!

Solche Sätze motivieren zwar nicht, sind aber zumindest verständlicher als diese:
„Ich bin jederzeit bereit, Verantwortung zu übernehmen, solange noch eine da ist, die ich nicht zu verantworten habe.“
„Dreizehn Prozent sind aber bei acht Prozent, wenn wir davon ausgehen, dass wir bei 11 Prozent die Grenze der Verantwortlichkeit bereits um vier Prozent überschritten haben, durchaus im grünen Bereich der Trostlosigkeit – die ein Bestandteil dessen, was prozentuell austricksbar ist, ausmacht.“
„Vorhersagen sind schwierig – besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Aber das finde ich auch ok. Ich mache ich mir halt so meine Gedanken darüber. Auch über all das, was ich tun könnte und sollte, aber nicht tue. Und über den Druck, den ich spüre, sobald ich in die sozialen Netzwerke oder auf die staubige Couch schaue. Da hab ich nämlich den Eindruck, ALLE machen jetzt was. Nur ich nicht. Stimmt nicht. Muss ich mir nur immer wieder mal sagen.
Was ich schaffe, ist täglich aufstehen, mich anziehen, Kontakt zu lieben Menschen halten, etwas lesen, viel essen, das Geschirr abzuwaschen und versuchen, meine gute Laune nicht zu verlieren. Das ist schon eine Menge! Das ist sogar noch ein bisserl mehr, als ich gedacht habe! Es kommen wieder bessere, produktivere Zeiten!

Das war jetzt für alle, denen es auch manchmal so ähnlich geht und die auch nicht immer so gut drauf sind!

Konstantin Wecker singt jetzt in seinen Konzerten wieder das Lied von 1993 "Ich habe Angst". Leider ist dieser Liedtext in den letzten Jahren wieder ganz aktuell geworden.

Darin heißt es:

Und wenn du, wie früher, von mir
Lieder der Hoffnung verlangst -
da ist zwar ein Sehnen in mir,
aber eigentlich habe ich Angst.

Ich hab Angst um die Kinder und Narren,
die Verwundbaren und die Bizarren,
um die Suchenden und die Verirrten,
Komödianten und geistig Verwirrten,
um die seitlich Umgeknickten,
um die Liebenden und die Verrückten,
alle, die sich verschwendend verschenken,
die sich selber durchs Leben lenken,
alle, die mit dem Herzen denken.
Und natürlich, so selbstlos bin ich nicht:
Ich hab Angst um dich und mich.

Vor zwei Jahren war er ja für ein Buchprojekt wieder einmal "Auf der Suche nach dem Wunderbaren", da hat er geschrieben:

Ich bin ein Träumer, Utopist, Fantast.
Ich bin naiv und habe mich nie geschämt dafür.
Was ich mir erträume ist mehr als eine Revolution,
sondern die totale Umwälzung der Werte unserer wertlosen Gesellschaft.
Menschen die miteinander suchen, hoffen, sündigen, verzeihen,
Menschen die sich anlächeln statt sich im Wettbewerb um den besseren Job fast umzubringen,
Menschen, die tanzen, wie junge Hunde das tun, wenn sie endlich auf die Wiese gelassen werden.
Kinder, die sich umarmen, ohne zu fragen, wer mehr Geld hat, wer welche Hautfarbe hat, wer schöner ist oder klüger.
Ja, Freunde, ich will eine tanzende Menschheit,
Brüder und Schwestern, die sich nicht beneiden, sondern am Glück des anderen erfreuen.
Und immer und sofort in den Himmel hinein.

Ich will in keiner Gesellschaft leben, in der all jene am miesesten entlohnt werden, die die wirklich wichtige Arbeit verrichten: Krankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen, Hospizarbeiterinnen
und so viele mehr.

Wir freuen uns auch über Beiträge auf twitter oder Instagram.

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